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News vom Katzenhaus Halle

MZ-Artikel zum Thema "Kein Geld für Katzenkastration"

07.01.2012

Tierschützer befürchten Katzenplage

Von Katja Pausch

Herrenlose Katzen an Futterstellen, halbverhungerte Streuner in den Straßen der Stadt, kranke Tiere, die Seuchen übertragen können. Dieses Horrorszenario einer drohenden Katzenplage und damit verbundenen Katzenelends sehen drei hallesche Vereine auf die Stadt zukommen. Anlass für die Befürchtungen sind ausbleibende Zuschüsse, die die Stadt bisher an jene Vereine für die Kastration von Straßenkatzen gezahlt hat. Angesichts leerer Kassen fallen diese nun weg - sowohl rückwirkend für 2011 als auch direkt im laufenden Jahr. "Unser für 2011 beantragter Zuschuss wurde nachträglich gestrichen und für 2012 ist auf Grund der Haushaltslage der Stadt gar kein Geld in Aussicht gestellt", erklärt Marlis Koser vom halleschen Tierschutzverein.

Pressesprecherin Ria Steppan bestätigt das: "Ein Großteil der freiwilligen Leistungen der Stadt wird eingestellt - dazu gehört auch der Kastrationszuschuss." Für die Vereine, die von Spenden und dem Engagement Ehrenamtlicher leben, ist dies ein katastrophaler Einschnitt in ihre Arbeit. Gab es von der Stadt zum Beispiel für den Tierschutzverein in früheren Jahren zunächst 7 000, zuletzt immerhin noch 3 000 Euro, bleiben die Tierschützer wie auch die anderen beiden Vereine - der Kleintierschutzverein "Felidae" und der hallesche Katzenschutzverein - nun auf den Kastrationskosten sitzen.

Rund 10 000 freilebende Katzen gibt es schätzungsweise in Halle, von denen allein der Tierschutzverein seit seinem Bestehen 6 000 bis 7 000 kastriert hat. Auf 200 bis 300 Kastrationen bringt es der Katzenschutzverein Halle jährlich, wobei bisher die Kosten für rund hundert davon durch den städtischen Zuschuss gedeckt wurden. "Das ist nun vorbei", so Vereinschefin Christine Kaiser. Auch der Kleintierschutzverein "Felidae" erhält laut Tierheimleiterin Jana Weiß keinen Euro Zuschuss mehr.

Verhindert werden kann aus Sicht der Tierschützer eine drohende Katzenplage nur, wenn man die Kastrationen beibehalte. Doch wie sie finanziert werden sollen, sei völlig offen. "Die Leute, die sich bisher an Futterplätzen um herrenlose Katzen kümmern, können wir doch nicht auch noch um Spenden bitten", so Christine Kaiser. Noch sei die Population freilebender Katzen in der Stadt relativ stabil. Doch das werde sich schnell ändern. Denn Katzen vermehren sich rasant. "Eine Katze bekommt zwei Mal im Jahr Junge, diese sind nach einem halben Jahr ebenfalls geschlechtsreif. Nach zwei Jahren wären das insgesamt also über 100 Nachkommen", rechnet Christine Kaiser vor und will von der Stadt wissen: "Was soll mit den vielen wilden Katzen, die zu erwarten sind, passieren?" Hinzu komme, so Tierschutzchefin Koser, dass in den nächsten Wochen weitere ausgesetzte Katzen zu erwarten sind. "Spätestens in den Winterferien werden vielen Familien die lebenden Weihnachtsgeschenke lästig", weiß sie aus Erfahrung.

Nur der Einsatz ehrenamtlicher Tierfreunde, die die Streuner an Futterplätzen einfangen, zum Tierarzt bringen und betreuen, habe bisher eine Katzenplage verhindert, so Koser. Genau damit aber argumentiert die Stadt: Auf eine Beschwerde von Vorstandsmitglied Rotraud Wunsch vom Tierschutzverein meinte Innendezernent Bernd Wiegand im Stadtrat, dass zurzeit keine Gefahr im Verzug sei. Da es kaum unkastrierte Katzen in Halle gebe, bestehe kein Handlungsbedarf. "Wir sollen die Futterplätze im Auge behalten. Erst wenn mehr Katzen gezählt würden, würde die Stadt eingreifen", empört sich Christine Kaiser. Eine, wenn auch unzureichende Lösung sehen die Tierschutzvereine in der Kastrationspflicht für Katzen durch deren Besitzer. Dies aber lehnt die Stadt ab - als unzulässigen Eingriff in die privaten Besitzrechte von Tierhaltern.

(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung)


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